Dienstag, 7. Mai 2019

Darf er das?

Ich liebe dieses Programm von Chris Tall, wo er darüber spricht, dass wir oft solche Angst davor haben, etwas politisch Inkorrektes zu sagen, dass wir, wenn jemand eine Bemerkung über eine Randgruppe macht, sofort schockiert sind und uns fragen: "Darf er das?"



Manchmal denke ich, dass diese Meinung, dass manches politisch nicht korrekt sei und deshalb nicht ausgesprochen werden dürfe, sich schon so sehr in uns breitgemacht hat, dass sie auch schon unseren Bezug zur Religion ergriffen hat.

Was darf Religion heute noch, was darf sie nicht? Was darf die Kirche, was darf sie nicht? Was darf Gott, was darf er nicht?

Sind wir nicht schon so weit, dass wir Gott einen Maulkorb anlegen wollen?
"Also das ist jetzt meine Privatsache, da bin ich ja wohl niemandem Rechenschaft schuldig!" - Gibt es nicht Bereiche in unserem Leben, wo wir Gott lieber draußen halten wollen?

Sex zum Beispiel. Wir lassen uns in der Sonntagspredigt gerne erzählen, dass wir zu unseren Nachbarn nett sein sollen. Aber wehe, der Pfarrer spricht über den Umgang mit Sexualität! Wann, wie und mit wem ich Sex habe oder nicht habe, darf mir doch keiner vorschreiben! Oder? Darf er das??

Wenn Gott diese Welt erschaffen hat, wenn er den Sex erschaffen hat, wie kommen wir da eigentlich auf die Idee, dass ihn dieses Thema nix anzugehen hat und dass ich damit mache, was ich will?

Darf Gott heute noch die Spielregeln für seine Schöpfung bestimmen? Darf er das?? Oder hat er sich nicht auf seine Wolke zurückzuziehen und uns in Ruhe zu lassen?

Es geht ja schon los, wenn man nur die ersten Sätze der Bibel liest. Gott erschafft die Welt, er erschafft den Menschen, und dann heißt es da: "Als Mann und Frau schuf er sie." - Oh! Darf er das??

Darf Gott in unser heutigen Gesellschaft noch sagen: "Ich habe den Menschen als Mann und Frau erschaffen." ? Darf der Mensch sich denn sein Geschlecht nicht selber aussuchen? Was ist denn dieser Gott für ein Diktator, dass er dem Menschen sein Geschlecht vorschreiben will? Muss der aufgeklärte Mensch von heute sich das noch gefallen lassen?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der der Mensch, das Individuum, alles für sein Leben selbst bestimmen will. Wir halten den Individualismus für dermaßen normal, dass wir direkt allergisch reagieren, wenn uns jemand etwas vorschreiben will: Oh! Darf er das??

Gerade in letzter Zeit werden häufig Stimmen laut, die der Kirche verbieten wollen, irgendwelche Vorschriften zu machen. Die Kirche hat klare Regeln. Darf sie das??
Nach unserem Empfinden heutzutage darf sie das offenbar nicht!

Aber schauen wir doch mal auf die Tatsachen:

1. Die Kirche glaubt an einen Gott, der die Welt erschaffen hat und dem nicht egal ist, was damit passiert. Das bedeutet: Nach dem Glauben der Kirche gibt es einen Gott, der gewisse Regeln festgelegt hat.

2. Die Kirche glaubt weiter, dass dieser Gott sich den Menschen geoffenbart hat und dass er selbst die Kirche in dieser Welt gegründet hat, damit sie den Menschen aller Zeiten und Generationen diese Offenbarung weitergebe.

3. Daraus folgt: Die Kirche kann gar nicht anders, als an den Regeln festzuhalten, von denen sie glaubt, dass Gott sie eingesetzt und der Kirche anvertraut hat. Die Kirche würde ihre Grundlage verlieren, wenn sie aufhören würde, den Menschen zu sagen, was richtig und falsch, gut und böse ist.

4. In Deutschland herrscht Religionsfreiheit. Das bedeutet: Niemand muss hier katholisch sein. Wer überzeugt ist, dass die Lehre der Katholischen Kirche falsch ist, der kann problemlos konvertieren bzw. gar nicht erst katholisch werden. Niemand wird gezwungen, an etwas festzuhalten, an das er nicht glaubt.

Meine Schlussfolgerung: Ich verstehe das Mimimi nicht.

Wer nicht katholisch sein will, soll es lassen. Es gibt Alternativen, z.B. evangelisch, altkatholisch oder freikirchlich. Es gibt so viele christliche Konfessionen, da ist für jeden Geschmack was dabei.
Wer nicht glaubt, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, sondern wer ihn nur für einen Sozialarbeiter hält, der vor 2000 Jahren gewaltfreie Kommunikation gelehrt hat, der kann sich auch für eine andere Religion als das Christentum entscheiden.
Und wer überhaupt nicht glaubt, dass es eine höhere Macht gibt, die irgendeine Rolle spielt, der muss ja gar keiner Religion angehören. Niemand muss hier irgendwas.

Aber wer meint, dass die Kirche unrecht hat, der soll ihr doch bitte einfach den Rücken kehren und sie sein lassen, wie sie ist. Es gibt nämlich eine Menge Menschen, die die Lehre der Kirche für wahr und richtig halten und nicht der Meinung sind, die Kirche müsse sich dem Zeitgeist anpassen. - Oh! Dürfen die das??

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